Die häufigsten Haltungsfehler im Sitzen (Teil 2): Überstreckung

Das mit der guten Körperhaltung im Sitzen ist ja so eine Sache. Bei vielen endet der Versuch irgendwann im Rundrücken. Welche Probleme das mit sich bringen kann, haben wir ja schon im letzten Teil zu den häufigsten Haltungsfehlern im Sitzen erfahren. In diesem Beitrag komplettieren wir diese Mini-Reihe und schauen uns das Gegenteil zur Beugung, die Überstreckung (oder auch Hohlkreuz), und ihre Folgen mal genauer an.

Der Ursprung allen Übels

Unsere Wirbelsäule ist stets um Stabilität bemüht. Im Idealfall erreichen wir diese Stabilität, indem wir eine aufrechte Körperhaltung einnehmen – sowohl im Stehen oder Gehen als auch im Sitzen. Hierbei geht es um eine Neutralstellung der Wirbelsäule, sprich weder Beugung noch Überstreckung. Das erreicht man, indem man sowohl den Bauch als auch den Hintern unter Spannung hält.

Im Sitzen ist es allerdings ziemlich schwierig, den Hintern anzuspannen, wodurch ein wichtiges Werkzeug für die Stabilisierung fehlt. Der Rumpf muss nun allein die Arbeit der aufrechten Haltung übernehmen, was natürlich anstrengend ist auf Dauer. Klar, dass die Muskeln irgendwann ermüden und die ganze, schöne Haltung verloren geht. Auf der Suche nach neuer Stabilität bringen wir unsere Wirbelsäule geradewegs in die Haltungsfehler.

Der Überstreckungsfehler

Überstreckung? Stellt sich zunächst einmal die Frage: Was wird da eigentlich überstreckt? Im natürlichen Zustand hat unsere Wirbelsäule die sanft gebogene Form eines doppelten S:

  • Der untere Teil, die Lendenwirbelsäule, wölbt sich nach vorn.
  • Der mittlere Teil, die Brustwirbelsäule, wölbt sich nach hinten.
  • Und der obere Teil, die Halswirbelsäule, wölbt sich wiederum nach vorn.

Die Überstreckung findet beim Hohlkreuz nun in der Lendenwirbelsäule statt. Der Begriff „Überstreckung“ führt dabei ein wenig in die Irre, denn tatsächlich findet keine Streckung statt, sondern eine noch stärkere Krümmung, sprich ein Hohlkreuz. Die Gründe liegen zum einen in der oben genannten Ermüdung der Muskeln, insbesondere im Bauch. Denn die Bauchmuskeln arbeiten genau dieser Überstreckung im unteren Rücken entgegen. Ein anderer Grund ist die Verkürzung der Hüftbeuger durch vieles und langes Sitzen. Hierdurch wird das Becken nach vorn gezogen bzw. gekippt, was im Endeffekt im Hohlkreuz endet.

Folgen des Überstreckungsfehlers

Schmerzen im unteren Rücken

Durch die Starke Biegung der Wirbelsäule im unteren Rücken werden die Bandscheiben, die zwischen den einzelnen Wirbeln sitzen, stark einseitig zusammengedrückt und belastet. Auch die kleinen Facettengelenke, die die einzelnen Wirbelbögen miteinander verbinden, werden durch ein dauerhaftes Hohlkreuz stark belastet und verschleißen. Im Endeffekt führt das zu Schmerzen bin hin zu echten Schäden im unteren Rückenbereich.

Überstreckungsempfindlichkeit/Spinalstenose

Dieser Verschleiß an den Wirbeln kann auch zu einer Spinalstenose führen. Das ist eine stellenweise Verengung des Wirbelkanals. Dieser wird durch die Löcher in den Wirbeln gebildet und durch ihn verläuft das Rückenmark. Durch Verschleißerscheinungen kann sich dieser Wirbelkanal stellenweise verändern, Verknöcherungen führen zu Verengungen.

Die Folgen dieser Verengung, die auf die Nerven im Wirbelkanal drückt, sind teilweise recht starke, ziehende Schmerzen im unteren Rücken, die bis ins Gesäß und die Beine strahlen können. Es kann auch zu Gefühlen des Kribbelns, Brennens oder der Taubheit kommen. Weitere Funktionseinschränkungen und Beeinträchtigungen im Bewegungsumfang folgen.

Verspannungen und Verhärtungen

Beim Hohlkreuz werden die Lage und die Aktivität der Bauchmuskeln beeinträchtigt, was wiederum zur Überlastung anderer Muskeln führen kann. Allen voran ist hier der untere Rücken zu  nennen. Die Überlastung bringt Verspannungen und Verhärtungen mit sich. So ist etwa die Versteifung des Lendenmuskels häufige Folge.

 

Auf den Punkt

Wenn wir lange Sitzen, wechseln wir meist von einer Fehlhaltung in die nächste. Das Hohlkreuz ist dabei einer der häufigsten Haltungsfehler. Den es liefert unserer Wirbelsäule scheinbare Stabilität, die allerdings äußerst ineffizient und auf Dauer zu Schmerzen und Schäden führen kann.

Die Folgen?

  • Schmerzen im unteren Rücken
  • Überstreckungsempfindlichkeit/Spinalstenose
  • Verspannungen und Verhärtungen

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