Zusatzstoffe machen dick – versteckte Gefahr (Teil 3)

Nachdem wir uns im letzten Beitrag mit dickmachenden Zusatzstoffen beschäftigt haben, die unserem Essen ganz gezielt hinzugefügt werden, schauen wir uns nun eine weitere Gruppe an. Denn es gibt auch Zusatzstoffe, die unbeabsichtigt in unser Essen gelangen und Einfluss auf Hunger, Appetit und damit indirekt auf unser Körpergewicht nehmen. Sie werden bei der Zucht von Tieren und dem Anbau von Pflanzen genutzt oder dienen der Herstellung von  Verpackungen und Küchenutensilien. Diese Stoffe können sich ins Gehirn schleusen. Dort lösen sie Falschsignale aus, die den Energiestoffwechsel des Gehirns stören und dazu beitragen, dass das Gehirn immer mehr Kalorien fordert. Mehr zu unserem hungrigen Gehirn erfahrt ihr auch im ersten Teil zum Thema Zusatzstoffe machen dick. In diesem Beitrag geht es nun um folgende Stoffe:

  • Beschichtungen
  • Weichmacher
  • Pestizide
  • Schwermetalle
  • Perfluorierte/Polyfluorierte Chemikalien
  • Antibiotika

Beschichtungen

Die Beschichtung von Kunststoffen gehört zur Herstellung vieler Verpackungsmaterialien für Lebensmittel. Einer der bekanntesten und in der Kunststoffverarbeitung weit verbreiteter Stoff ist  Bisphenol A oder kurz BPA genannt. Es dient als Beschichtung für Folienverpackungen, Plastikbehältern, Getränke- und Konservendosen sowie diverse andere Behältnisse, in denen Lebensmittel verpackt oder aufbewahrt werden. Der Stoff gilt als äußerst gesundheitsschädlich.  Durch seine Beeinflussung des menschlichen Hormonsystems unterdrückt es unter anderem das Hormon Adiponectin, welches wichtige Funktionen im Körper ausübt, die unser Risiko für Diabetes, Übergewicht und Arterienverkalkung senken. Kurzum: BPA kurbelt die Fettspeicherung an. Entsprechend konnte durch die Aufnahme von BPA ein größerer Bauchumfang, ein höherer BMI und schlechtere Cholesterinwerte festgestellt werden. Darüber hinaus kann dieser Zusatzstoff zu Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen bis hin zu irreparablen Hirnschäden führen.

Weichmacher

Weichmacher dienen dazu Stoffe geschmeidiger, flexibler und eben weicher zu machen. Die allermeisten von ihnen werden zur Weichmachung von Kunststoffen eingesetzt. Zur Gruppe der Weichmacher gehören auch Phtalate. Sie werden heutzutage vielseitig eingesetzt. Sie finden sich in Kosmetikartikeln wie Feuchtugkeitslotionen, Sonnencremes, Haarspray, Parfum und Nagellack, in Medikamenten, Spielzeugen, Bodenbelägen, Autos und Textilien. 90% der Phthalate werden als Weichmacher eingesetzt um Kunststoffen Elastizität zu verleihen. Dementsprechend werden sie auch vielfach in der Lebensmittelindustrie eingesetzt: in Tüten, Deckeln, Folien und Plastikverpackungen.  Das Problem: Phthalate gehen keine chemische Bindung mit diesen Kunststoffen ein. Die Folge ist, dass sie sich ziemlich leicht wieder herauslösen (vor allem in Verbindung mit Wärme oder Flüssigkeiten) und wir sie somit durch Nahrung und Trinken aufnehmen oder einatmen. Ebenso wie der Zusatzstoff BPA stellen auch Phthalate eine große Gefahr für unsere Gesundheit dar. Sie ähneln körpereigenen Hormonen und können Hungergefühl auslösen. Dies führt zu Übergewicht. Auch werden sie für ein stark erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken verantwortlich gemacht. Darüber hinaus stehen sie im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Frühgeburten, ADHS und verringerte Testosteron-Produktion bei männlichen Föten zu begünstigen.

Pestizide

Pestizide werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um Pflanzenschädlinge zu bekämpfen und die Ernte zu sichern. Viele Pestizide sind sehr stabil und gelangen über Nahrungsmittel in unseren Körper. Dort scheinen sie die natürliche Regulation des Blutzuckerspiegels und den Fettstoffwechsel zu stören. Folgen können auch hier Übergewicht und Diabetes sein.

Ein Beispiel für ein solches Pestizid ist Tributylzinn. Es gehört zu der Gruppe der zinnorganischen Verbindungen und ist hochgiftig. Durch Kontakt kann es zur Beeinträchtigung des Hormon- und Immunsystem kommen sowie zu einer Reizbarkeit der Atemorgane und der Augen. Ist unser Körper diesem Stoff ausgesetzt, kommt es darüber hinaus zu einer Vermehrung der Fettzellen und unser Hungergefühl steigt. In Deutschland ist die Verwendung von Tributylzinn-Verbindungen in Verbraucherprodukten seit 2010 verboten. Allerdings werden sie als Holzschutzmittel, Schiffsanstriche zum Fäulnisschutz, Anti-Pilzmitteln für Textilien und in industriellen Wassersystemen verwendet und gelangen über Umwege in unsere Nahrung.

Schwermetalle

Ursprünglich waren Schwermetalle natürlich vorkommende Stoffe in der Erde. Heutzutage jedoch wird ein Großteil vom Menschen in die Umwelt abgegeben durch Industrie und Straßenverkehr. Durch natürliche Verwitterung und Erosion aber auch in Form von Feinstaub, Dünger- und Pflanzenschutzmittel gelangen diese Schwermetalle in den Boden und das Grundwasser. Von dort werden sie von Pflanzen und Land- sowie Meerestieren aufgenommen und gelangen auf unsere Teller.

Nicht alle Schwermetalle sind schädlich, manche sogar lebensnotwendig. Aber auch sie können unsere Ernährung beeinflussen. Dazu zählen Arsen und Kadmium. Man geht davon aus, dass sie im Körper die Glukose- und Insulinkonzentration im Blut erhöhen und die Insulinsensitivität reduzieren, sprich, Diabetes verursachen. Darüber hinaus können Schwermetalle zu einer Schwächung von Immunsystem, Herzkreislauf- und Nervensystem, Knochen, der Filterfunktion der Nieren führen, das zentrale Nervensystem angreifen oder durch Überdosis eine tödliche Vergiftung bewirken.

Perfluorierte/Polyfluorierte Chemikalien (PFC)

Diese in Kurzform auch PFC genannten Chemikalien umfassen mehr als 800 Stoffe. Die bekanntesten davon: Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroktansäure (PFOA). Sie werden deshalb so vielfältig verwendet, weil sie wasser-, fett- und schmutzabweisend sind. PFC gelten als sehr schädlich und obwohl sie in keiner Form zum Verzehr geeignet sind, nehmen wir sie hauptsächlich über unsere Nahrung auf. Der Pizzakarton, der Coffee-to-Go-Becher und die nicht mehr wegzudenkenden Töpfe und Pfannen aus Polytetrafluorethylen – auch besser bekannt als Teflon; sie alle enthalten PFC. Auch diese Zusatzstoffe beeinflussen den Stoffwechsel und führen somit zu Erkrankungen wie Diabetes, einem starken Anstieg sowohl des Gesamtcholesterins als auch des LDL-Cholesterins (sogenanntes „schlechtes“ Cholesterin) und Übergewicht. Zusätzlich schädigen sie die Schilddrüse; eine Unterfunktion dieser hat unter anderem Gewichtszunahme zur Folge.

PFC sind extrem langlebig. Sie lagern sich sowohl in der Umwelt als auch im menschlichen Körper für sehr lange Zeit ab. Im Menschen binden PFC wie z. B. PFOS an Proteine in Blut, Leber und Niere und stehen im Verdacht das Immunsystem, die Leber und Fortpflanzungsorgane zu schädigen. Mütter geben den Stoff während Schwangerschaft und Stillzeit an ihr Kind weiter.

Antibiotika

Antibiotika soll Leben retten. Allerdings ist seit längerem bekannt, dass durch den viel zu häufigen Einsatz – oftmals grundlos – Schaden für den Menschen entsteht. Resistenz ist hierbei das Stichwort. Doch Antibiotika wird nicht nur zur Heilung, sondern auch vorbeugend eingesetzt. Und zwar in der Tierzucht. Allein in Deutschland werden pro Jahr fast 1000 Tonnen der eigentlich als letzte Rettung gedachten Medizin eingesetzt, damit Schlachtvieh gar nicht erst erkrankt. Somit gelangt es nicht nur durch den Arzt, sondern auch über die Nahrungskette in unseren Körper. Das ein Lebensretter wie Antibiotika mittlerweile lebensgefährlich sein kann, liegt an der unachtsamen und massenhaften Verwendung.

Antibiotika wird eigentlich in der Tierzucht eingesetzt, um bakterielle Krankheitserreger in Tieren abzutöten. Doch bereits in den 1940er Jahren entdeckte man, dass die Zugabe von Antibiotika in der Tierzucht zu Massezuwachs führte. Ein für Landwirte sehr gern gesehener Nebeneffekt. Das Problem: Sie zerstören nicht nur Krankheitserreger, sondern auch die wichtige Darmflora. Eine gesunde Darmflora hat viele Aufgaben, von der Verdauung der Nahrung bis hin zur Unterstützung unseres Immunsystems. Antibiotika schädigt die Darmflora indem es auch viele der guten und nützlichen Bakterien abtötet. Gleichzeitig können sich andere Bakterienformen, die nicht so empfindlich auf das Medikament reagieren, plötzlich stark vermehren. Das fragile Gleichgewicht wird gestört. Kurzfristige Folgen sind Darmprobleme wie Durchfall oder Verstopfung. Viel gravierender jedoch sind die langfristigen Folgen, die durch häufige Antibiotikaeinnahme entstehen können. Dazu gehören unter anderem Stoffwechselstörungen und Fettleibigkeit.

 

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