Wie richtig getimte Trainingseinheiten beim Lernen helfen

 

Dass Sport nicht nur gut für unseren Körper, sondern auch für unser Gehirn ist, kann man mittlerweile in unzähligen Studien nachlesen. Demnach hebt körperliche Ertüchtigung die Stimmung, reduziert Stress und kann unsere geistige Leistungsfähigkeit steigern. Inwieweit gezielte Trainingseinheiten auch das Lernen von neuen Dingen beeinflussen kann, haben sich niederländische Wissenschaftler einmal genauer angeschaut. Dabei sind sie auf eine interessante Strategie gestoßen.

 

So lief die Studie ab

Die Forscher einer Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift Current Biology erschien, wollten herausfinden, wie sich eine einzelne Sporteinheit auf das Lernen auswirkt. Hierzu wurden den Studienteilnehmern 90 verschiedene Bilder gezeigt, die an unterschiedlichen Stellen auf dem Bildschirm auftauchten. Die Teilnehmer sollten sich innerhalb von etwa 40 Minuten merken, wo sich welches Bild befand.

 

Im Anschluss an diese Merkaufgabe wurden die sie zufällig in drei Gruppen aufgeteilt:

 

  1. Gruppe: Die Teilnehmer machten direkt im Anschluss an die Lernaufgabe ein 35-minütiges Intervalltraining auf einem Fahrradergometer.
  2. Gruppe: Diese Gruppe nahm ebenfalls an dem Intervalltraining teil, allerdings erst vier Stunden nach der Lernaufgabe.
  3. Gruppe: Die Studienteilnehmer praktizierten gar kein Training.

 

Zwei Tage später kamen die Teilnehmer erneut ins Labor und sollten versuchen, sich an die Bilder und die Stelle, an der sie präsentiert wurden, zu erinnern. Dabei lagen sie in einem MRT-Scanner, das heißt, die Forscher konnte auch die Gehirnaktivität während des Erinnerns nachverfolgen.

 

 

Zeitlich verzögertes Training gewinnt

Tatsächlich konnten sich die Studienteilnehmer, die vier Stunden nach der Lernaufgabe Sport trieben, am besten erinnern. Das zeigte sich nicht nur in der Anzahl richtig eingeprägter Bilder, sondern auch in den Hirnscans. Diejenigen, die mit Verzögerung trainiert hatten, zeigten eine höhere Aktivierung im Hippocampus. Das ist eine wichtige Hirnstruktur, wenn es um Lernen und Gedächtnis geht. In der Gruppe, die direkt nach der Lernaufgabe trainiert hatte, brachte das Training übrigens keine Verbesserung der Merkleistung.

 

Auch wenn die Wissenschaftler bisher noch nicht wissen, warum zeitlich verzögertes Training die beste Wirkung zeigte, weiß man aus Tierstudien, dass sportliche Aktivität die Biochemie im Gehirn verbessert. Das fördert auch unsere Lernfähigkeit. Zeitlich richtig getimtes Training kann uns also dabei unterstützen, vor der nächsten Klausur oder der nächsten Prüfung effektiver zu lernen und mehr zu behalten.

 

 

Studie

van Dongen, E.V., Kersten, I.H.P., Wagner, I.C., Morris, R.G.M., & Fernandez, G. (2016). Physical Exercise Performed Four Hours after Learning Improves Memory Retention and Increases Hippocampal Pattern Similarity during Retrieval. Current Biology, 26(13), 1722-1727.