Animal Moves – Befreie deinen Körper

Ein jedes Mal, wenn man sich auf Discovery Channel eine dieser faszinierenden Tierdokumentationen anschaut, bekommt man den Eindruck, dass all diese Tiere überhaupt keine Grenzen kennen, wenn es um die Vielfallt der Bewegungen geht. Tiere kriechen und schlängeln sich, gehen und rennen, hüpfen weit und springen hoch, machen Purzelbaum vorwärts, Salto rückwärts oder Rolle seitwärts, hangeln, verrenken sich und was sonst noch alles. Die meisten von uns machen sich darüber gar keine Gedanken, vom Staunen über diese Bewegungskunst ganz zu schweigen. Andere wiederum bekommen schon beim bloßen Ansehen solcher Szenen Gelenkschmerzen und Muskelkrämpfe. Und weil das noch nicht reicht, hat man auch noch das Gefühl, dass Tiere unheimlich viel Spaß an diesem Treiben haben.

Scheinbar unvorstellbar für uns Menschen. Die Mehrzahl der Bevölkerung bewegt sich gar nicht bis nicht ausreichend. Und die, die es doch tun, übertreiben es. Es scheint als hätten wir alles vergessen, was eigentlich in unseren Genen – und in unserem Körper – steckt. Entweder schaffen wir nur noch die allernötigsten Bewegungen – aufstehen, geradeaus gehen, hinsetzen – oder aber wir trainieren Gliedmaßen und Muskelgruppen in völlig übertriebenen Trainingseinheiten in monotonen und unnatürlichen Abläufen. Nicht selten hat dadurch manch einer „dank“ seiner starren Muskelberge die Beweglichkeit einer Betonplatte.

Wenn man Tiere beobachtet, fällt auf, dass sie sich ganz intuitiv bewegen. Sie verfolgen keinen Trainingsplan, in dem Wiederholungszahlen, Satzpausen und Gewichte notiert sind. Verrückterweise sind sie trotzdem wahre Bewegungskünstler und Vorzeigeathleten. Geschmeidig schwingt sich ein Affe von Ast zu Ast und in gefühlter Lichtgeschwindigkeit rast ein Gepard durch die Steppe. Dieser Blogbeitrag führt uns in die Welt der Animal Moves ein. Erfahre in diesem Artikel, was es damit auf sich hat und warum sie in jedes Training gehören sollten. Dabei geht es nicht darum, einfach nur einen weiteren völlig skurrilen Fitnesshype zu erschaffen bzw. zu unterstützen. Vielmehr geht es darum, gewisse Grundprinzipien der Bewegung der Tiere sowie unserer Vorfahren zu verstehen und uns daran zu orientieren, um möglichst lange fit und agil zu bleiben.

Natürliche Bewegungsintelligenz

Mal ganz ehrlich, was gehört denn zu unserer Bewegungsbandbreite? Die meiste Zeit des Tages verbringen wir sitzend und liegend. Also null Bewegung. Den Rest der Zeit, in der wir uns tatsächlich bewegen, gehen wir gerade aus und das nicht allzu schnell. Und wenn wir dann mal zum Bus hetzen oder in den 3. Stock eines Gebäudes per Treppe müssen, schießt gleich das Adrenalin durch unseren Körper und wir fühlen uns als Olympionike, der für seine außergewöhnliche Leistung einen Preis verdient hat. Von Bewegungsmustern, die mit Laufen nicht mehr viel zu tun haben, wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Oder wann habt ihr das letzte Mal eine Rolle vorwärts, ein Rad oder Krebsgang probiert wie zu Grundschulzeiten?

Dabei sind wir doch eigentlich bestens gerüstet. Nicht nur Tiere bewegen sich ohne Anleitung ganz natürlich und intuitiv, auch unsere frühen Vorfahren brauchten keine Trainingspläne. Bewegung gehörte für sie zum Alltag, genauso wie Essen, Trinken und Schlafen. Warum? Weil es überlebensnotwendig war. Doch der moderne Erwachsene weiß sein Leben anders zu schützen als durch Bewegung. Wir müssen keinen Fressfeinden mehr entfliehen. Unser Essen holen wir uns bequem mit dem Auto im nächsten Supermarkt. Und Sexualpartner beeindrucken wir mit anderen Dingen als Athletik. Die Folge? Wir verlieren unsere natürlichen Bewegungsfähigkeiten, unsere natürliche Bewegungsintelligenz.

Vom Entdecker zum Beobachter

Wem der Vergleich mit Tieren oder unseren Vorfahren nun zu ungenau ist (ist er nicht!): Auch als Kinder haben wir noch den natürlichen Trieb, laufen zu lernen, überall hochzuklettern und zu rennen soweit uns unsere Füße tragen. Spätestens im Erwachsenenalter ist davon nicht mehr viel übrig. Aus dem aktiven Entdecker, der sich durch Bewegung die Welt zu Eigen macht, werden wir zum passiven Beobachter. Wir beobachten die bewegte Welt schön gemütlich auf unserem Hintern sitzend. Bewegung wird zum Pflichttermin im Kalender. Wenn überhaupt, wird an Fitnessgeräten immer und immer wieder die exakt selbe Bewegung ausgeführt. Dabei wird jede Übung, jedes Gewicht und jede Pause akribisch notiert. Mit dem natürlichen Zusammenspiel all unserer Muskeln, Sehnen und Gelenke hat das nichts mehr zu tun.

Befreie deinen Körper

Wie würde die Welt heute wohl aussehen, wenn Tiere allein aus sportlicher Sicht wie wir Menschen denken und handeln würden? Schon von klein auf trainieren sie ihre Muskeln und Triebe im Spiel, die sie im Erwachsenenleben nicht nur brauchen, sondern eben auch regelmäßiges nutzen. Oft genug sehen wir Vögel über den Boden rumrennen und in der Tat verbraucht Fliegen unfassbar viel Energie. Dennoch würde kein (flugfähiger) Vogel auf die Idee kommen zu sagen „Ab heute bin ich nur noch zu Fuß unterwegs“. Kein Affe der Welt würde auf einem Ast sitzend denken „Oh nee, Hangeln fällt heute aus, schließlich hab ich gestern schon Rücken und Arme trainiert.“. Aber auch kein Menschenkind hört nach dem dritten Versuch, die ersten Schritte zu gehen, auf, um nach einem Eiweißshake zu schreien, mit dem es den Muskelaufbau optimieren kann. All diese Bewegungen und Ganzkörpertrainings sind Überlebensnotwendig. Und überhaupt, wo bleibt bei all dem eigentlich der Spaß?

Wir Menschen stellen diese ganzheitliche Bewegung ein, sobald die Grundfunktionen im Kindesalter klappen. Wir halten unseren Körper an der kurzen Leine (oder an der Kurzhantel). Mit all den Trainingsplänen, dem Mealtiming, dem in-Schubladen-packen von Bewegung sperren wir uns selbst ein. Dabei war schon bei unseren steinzeitlichen Vorfahren Bewegung der Schlüssel, mit dem wir die Welt entdeckt haben. Nichts macht uns so frei wie unsere eigenen zwei Beine. Warum wir uns so sehr einengen erscheint paradox. Unser Körper ist ein Wunderwerk der Natur. Er ist zu so vielfältigen Bewegungen fähig, dass man es fast schon als Schande bezeichnen muss, dieses Potential nicht auszuschöpfen.

Animal Moves – von Tieren Bewegung lernen

Was helfen Arme wie Autoreifen, wenn die Beine den Körper kaum tragen können? Was bringen Beine wie Baumstämme, wenn mangelnde Rumpfmuskulatur Haltungsschäden und Nackenschmerzen zur Folge haben? Und auch ein von oben bis unten definierter Körper bringt nichts, wenn zwar Kraft vorhanden ist, aber nicht genug Ausdauer, um diese Masse die Treppen hochzuschleppen. Darüber hinaus fehlt zumeist die natürliche Bewegungsintelligenz, das heißt, die einzeln aufgepumpten Muskeln haben nie gelernt zusammenzuwirken. Somit kann der Körper seine ganze Kraft und Bewegungsbreite nicht annähernd voll entfalten.

Die unter dem etwas lächerlich wirkenden Begriff „Animal Moves“ zusammengefassten Bewegungsformen gehören zum Bereich des funktionellen Trainings und verfolgen damit auch einen ganzheitlichen Ansatz. Das heißt, anstatt isoliert Kraft aufzubauen, die im Alltag kaum weiterhilft, gehören alle Fähigkeiten dazu. Neben Kraft und Stabilität also auch Mobilität und Flexibilität, Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit. Genauso sieht es auch im Tierreich aus. Ein Bär kann noch so stark sein, wenn es ihm an Schnellkraft und Koordination seiner Bewegungen fehlt, wird er am Bach wohl ohne Fischfang da stehen. Oder nehmen wir eine Raubkatze. Schnelligkeit ist für sie sicherlich eine wichtige Sache, aber ohne Geschick beim Anpirschen und der Kraft, die Beute dann auch tatsächlich niederzuringen, geht sie hungrig nach Hause.

Dabei ist das „Training“ bei Tieren niemals identisch. Ein Koala zum Beispiel hat es, wenn er durch die Bäume klettert, mit dicken und dünnen Ästen zu tun. Manche sind nah beieinander, andere wieder weiter weg. Ganz anders im Fitnessstudio. Hier sind das Gerät und damit die Bewegung, die wir ausführen, immer nahezu identisch. Wir sind dadurch kaum in der Lage, unsere Fähigkeiten flexibel einzusetzen, um auf diverse Anforderungssituationen effektiv reagieren zu können. So trainieren wir beispielsweise jahrelang Bizeps-Curls, bei denen die Handfläche nach oben zeigt. Drehen wir die Hantel in der Hand dann mal um 90°, müssen kleinere Gewichte her, weil die Kraft trotz ähnlicher Bewegung plötzlich nicht ausreicht. Ganz abgesehen davon, dass der Rest des Körpers bei diesen Übungen völlig unberücksichtigt bleibt.

Warum Animal Moves echte Alleskönner sind

Wie auch andere funktionelle Trainings setzen Animal Moves auf Ganzheitlichkeit. Bei diesem Bodyweight Training (Sport ohne Geräte und nur mit dem eigenen Körpergewicht) werden also verschiedenste Fähigkeiten geschult. Dabei sind alle Bewegungen natürlich und funktional, das heißt sie sind sinnvoll für unseren Alltag und sie schöpfen unser Potential voll aus. Da eben keine identischen und isolierten Übungen durchgeführt werden, schaffen wir auch immer neue Trainingsreize. Beispielsweise sitzt die Hand bei Übungen im Vierfüßlerstand mal direkt unter der Schulter, mal etwas weiter vorn und mal weiter außen. Durch sich verändernde Winkel und Krafteinwirkungen fordern wir alle Muskeln, auch in ihrem Zusammenspiel.

Ein großer Vorteil bei Animal Moves ist auch die Stärkung der kleineren, tiefliegenden Muskeln, vor allem um die Gelenke herum. Das sind im Alltag häufige Schwachstellen. Je schwächer diese Muskulatur ist, desto mehr werden unsere Gelenke belastet. Dadurch bedingte Abnutzungserscheinungen führen zu Schmerzen und langfristig zu enormen Einschränkungen des Bewegungsapparats. Ganzheitliche Trainings wie Animal Moves beugen dem vor.
Außerdem zielen Animal Moves darauf ab, den gesamten Bewegungsradius zu nutzen und damit die Mobilität zu erhöhen. Bei Mobilität geht es nicht nur um Beweglichkeit, sondern eher um das Zusammenspiel aus Muskeln und Gelenken. Eine hohe Mobilität hat dabei nicht nur eine Leistungssteigerung zur Folge, sondern beugt auch Muskelverspannungen und -schmerzen vor.

 

Auf den Punkt
Wer rastet der rostet. Diesen Ausspruch kennt sicher jeder. Und er kommt nicht von ungefähr. Doch es ist nicht nur Bewegungsmangel der uns schadet, auch bieten uns die einseitigen Trainings in Fitnessstudios nicht die notwendige und mögliche Bandbreite zu der unser Körper in der Lage ist und die er somit braucht um lange fit und alltagstauglich zu sein.

Was ist das Problem:

  • Wir bewegen uns zu wenig
  • Wir bewegen uns zu einseitig – immer dasselbe
  • Wir trainieren jede Muskelgruppe isoliert anstatt im Zusammenspiel
  • Unser Körper verlernt seine Bewegungsintelligenz

In der Folge mangelt es den meisten Menschen an:

  • Ausdauer
  • Gesamtkraft
  • Stabilität
  • Flexibilität
  • Koordination

Das wiederum führt zu:

  • Erhöhter Anstrengung im Alltag
  • Haltungsschäden und Fehlstellungen
  • Schmerzen
  • Häufigeren und schwereren Verletzungen (z.B. Bänderrisse)
  • Vorzeitiger Abnutzung (Gelenke)
  • Und somit zu Bewegungseinschränkungen in bereits frühen Jahren, welche diesen Kreislauf weiter vorantreiben.

Die Lösung:

Wer nicht nur alt werden, sondern sich im Alter auch noch (gut) und aus eigener Kraft durch die Welt bewegen will, muss frühzeitig den Grundstein dafür legen.
Je eher wir unseren Körper ganzheitlich nutzen, desto besser stehen die Chancen, dass wir auch im Herbst unseres Lebens noch „alle Viere“ von uns strecken können. Isolierte Fitnessübungen stellen eine gute Grundlage dar, können allein jedoch nicht die möglichen und notwendigen Fähigkeiten unseres Körpers trainieren. Funktionelles Training sollte deshalb für jeden zum regelmäßigen Training gehören. Animal Moves bewähren sich dabei als eine der besten – weil ursprünglichsten – Methoden. Aber auch andere Ganzkörper-Sportarten wie Crossfit, Calisthenics, Yoga oder ganz klassische Sportarten wie Ballsportarten, Kitesurfen/Surfen, Bergsteigen/Klettern – um nur ein paar zu nennen – fordern sämtliche Muskeln und Sinne unseres Körpers im Zusammenspiel.
Doch auch wenn ihr bereits zu den Gutbetagten gehört gilt es euren Körper so umfassend wie möglich zu fordern – nicht jedoch überfordern!

Funktionelles Training – Was ist das eigentlich? (Teil 2)

 

Im ersten Teil dieses Beitrages haben wir uns genauer angeschaut, welche Grundgedanken hinter dem funktionellen Training stecken. Heute soll es etwas praktischer werden. Wir  werfen einen Blick auf verschiedene Übungen und Trainingsgeräte. Viel Spaß dabei!

 

 

Kraftübungen

Das tolle am funktionellen Training ist, dass man es fast überall machen kann und man nicht zwangsläufig Ausrüstung dafür braucht. Denn schon mit dem eigenen Körpergewicht könnt ihr beispielsweise folgende Kraftgrundübungen für den ganzen Körper ausführen:

  • Kniebeuge
  • Ausfallschritte
  • Liegestütz
  • Unterarmstütz, Seitstütz
  • Diverse Sit-up-Varianten
  • Klimmzüge

Dabei gibt es eigentlich zu jeder Übung immer auch ein Regression und eine Progression. Das heißt, es gibt Varianten zu den Übungen, die für Anfänger geeignet sind, aber auch welche für Fortgeschrittene. Hier mal ein paar Beispiele.

Liegestütz

Variante für Anfänger: Hände auf einer Erhöhung abstützen

Variante für Fortgeschrittene: Füße auf einer Erhöhung abstellen

Kniebeuge

Variante für Anfänger: weniger Wiederholungen, nicht so tief gehen

Variante für Fortgeschrittene: einbeinige Kniebeuge

Unterarmstütz

Variante für Anfänger: Knie ablegen

Variante für Fortgeschrittene: länger halten, einbeinig

 

 

Trainingsgeräte und Hilfsmittel

Für mehr Abwechslung sorgen eine ganze Reihe toller Trainingsgeräte und Hilfsmittel. Anders als im klassischen Fitnessstudio sind diese meist ziemlich flexibel einsetzbar und machen ordentlich Spaß.

 

Zu den typischen Trainingsgeräten gehören:

  • Schlingentrainer (TRX)
  • Medizinball
  • Kettlebells
  • Koordinationsleiter
  • Minibands
  • Gymnastikball
  • Seile
  • Bosu

Auch wenn ich an dieser Stelle die möglichen Trainingsgeräte und Hilfsmittel nur kurz anreißen kann, wird hoffentlich klar, dass funktionelles Training ziemlich vielseitig ist.  Funktionelles Training bietet eine große Auswahl an Übungen und Geräten, die häufig auch zuhause eingesetzt werden können. Damit kann das Training sehr abwechslungsreich gestaltet werden und Langeweile kommt eher selten auf. Ich werde in folgenden Beiträgen auf jeden Fall noch etwas genauer auf das ein oder andere Gerät eingehen. Wünsche gerne in die Kommentare 🙂

 

 

Trainingseinheiten – kurz und knackig

Auch hinsichtlich der Länge einer Trainingseinheit trumpft funktionelles Training auf. Denn hierbei geht es vor allem um Effizienz, das heißt Vollgas über einen relativ moderaten Zeitraum: 30 bis 60 Minuten. Damit passt eine funktionelle Trainingseinheit in wirklich jeden Zeitplan. Nach einer kurzen Aufwärmung, bei dem das Herz-Kreislauf-System angeregt wird, geht es mit der eigentlichen Trainingseinheit los. Ein Satz dauert je nach Trainingsziel 30 bis 120 Sekunden oder 10 bis 40 Wiederholungen, wobei die Pausenzeiten sehr kurz gehalten werden.

 

Funktionelles Training setzt auch auf hochintensives Intervalltraining. Das heißt, sehr anstrengende Belastungsphasen wechseln sich mit relativ kurzen Erholungsphasen ab. So bleibt der Puls die ganze Zeit oben und es werden ordentlich Kalorien verbrannt – auch nach dem Training. Bekanntes Beispiel ist das Tabata-Prinzip, das ich in einem anderen Blogbeitrag schon einmal beschrieben habe. Hierbei wechseln sich 20 Sekunden Belastung mit 10 Sekunden Erholung ab und das ganze wiederholt sich 8 Mal. Aber auch alle anderen Kombinationen sind denkbar, beispielsweise 45 Sekunden Belastung und 15 Sekunden Pause.

 

Alternativ könnt ihr aber auch anstatt mit der Zeit mit Wiederholungen arbeiten. Das heißt, ihr macht zum Beispiel ein Antagonisten-Training oder ein Zirkeltraining.

 

Antagonisten-Training

Dabei folgt auf einen Satz einer bestimmten Bewegungsrichtung, beispielsweise Zugbewegung wie Klimmzüge, im nächsten Satz direkt eine Übung für die entgegengesetzte Bewegungsrichtung, also zum Beispiel eine Druckbewegung wie Liegestütz. Der Vorteil ist, dass man die Pausenzeiten effektiv nutzen kann, während sich die beanspruchten Muskeln kurz erholen können. Das Herz-Kreislauf-System läuft aber weiterhin auf Hochtouren.

 

Zirkeltraining

Das Zirkeltraining besteht in der Regel aus fünf bis zehn Übungen, mit denen man den gesamten Körper abdeckt. Nach einem Satz einer Übung wechselt man direkt zur nächsten Übung. Wenn jede Übung für einen Satz durchgeführt wurde, pausiert man zwei bis drei Minuten. Anschließend startet die nächste Zirkelrunde mit denselben Übungen. Ziel sind drei bis fünf Runden.

 

 

Meine Erfahrungen

Früher bin ich auch regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen, habe fleißig meine Gewichte gehoben und gelangweilt Wiederholungen gezählt. Funktionelles Training hat mich allein schon wegen der Abwechslung und der Übungsvielfalt überzeugt. Mit einem Timer muss ich nicht einmal mehr auf die Uhr schauen, sondern ziehe einfach  jeden Satz mit voller Power durch bis der Piepton kommt. Mehr Kopfabschalten geht nicht. Also probiere es selbst aus oder erzähl mir von deinen Erfahrungen.

Funktionelles Training – Was ist das eigentlich? (Teil 1)

Funktionelles Training erfährt zurzeit einen regelrechten Boom und krempelt die Fitness-Branche gehörig um. Jeder hat vermutlich schon von Crossfit, Freeletics und Calisthenics gehört. Im Endeffekt geht es vor allem darum, ganzheitlich und funktional zu trainieren, meist sogar nur mit dem eigenen Körpergewicht.

 

Schluss mit monotoner Gerätearbeit, bei der manche Fitnessstudiobesucher aussehen als würden sie Wäsche zusammenlegen. Für drei Sätze machen sie es sich in der Beinpresse bequem und wechseln nach der 45. Wiederholung gelangweilt das Gerät. Wen wundert es da, dass einfach kein Spaß beim Sport aufkommt?

Was genau ist funktionelles Training?

Das Grundprinzip des funktionellen Trainings lautet: Bewegungen, nicht Muskeln trainieren. Für die isolierte Beanspruchung einzelner Muskeln ist nicht-funktional, das heißt es gibt hierfür weder im normalen Alltag noch in Sportarten eine Entsprechung. Sehr gute Beispiele dafür sind der Bizeps-Curl oder auch das Training des Beinstreckers an Geräten im Fitnessstudio. Wir werden höchstwahrscheinlich äußerst selten in realen Leben in die Gelegenheit kommen, eine dieser beiden Muskeln isoliert benutzen zu müssen. Unser Körper funktioniert nicht in Muskeln, sondern in Bewegungen.

 

Damit stehen beim funktionellen Training vor allem Grundbewegungen und die Verbesserung von sportartenübergreifenden Basisfähigkeiten im Vordergrund. Das schließt auch Fähigkeiten wie die Stabilisation von Gelenken, Schnelligkeit oder eine gute Körperwahrnehmung ein.

 

Wesentlich ist aber auch die qualitativ gute Ausführung von Bewegungen und zwar aus zwei Gründen. Zum einen führen unsauber ausgeführte Übungen meist zu Ausgleichbewegungen, die auf Dauer zu Haltungsschäden, Dysbalancen und Abnutzungserscheinungen führen können. Zum anderen führt die unsaubere Ausführung von Übungen meist auch dazu, dass wir die Übung nicht in ihrem ganzen Umfang ausführen. Dadurch entgehen uns wichtige Trainingseffekte. Wir könnten also eigentlich viel effizienter trainieren.

Training von Muskelketten – Bewegungen statt Muskeln

Funktionelles Training basiert auf der natürlichen Tatsache, dass für fast alle Bewegungen des Körpers das Zusammenspiel verschiedenster Muskelgruppen notwendig ist. Daher werden beim funktionellen Training vor allem Übungen ausgeführt, die möglichst viele Gelenke und Muskeln ansprechen. In vielen Fitnessstudios ist es üblich, Muskelgruppen isoliert zu trainieren. Anders beim funktionellen Training: hier wird immer auch das komplexe Zusammenspiel der Muskeln gefördert. Das verbessert vor allem auch die Koordination der Muskeln und entspricht deutlich besser den natürlichen Bewegungen des Menschen im Alltag und in vielen Sportarten.

Stabilität

Während an klassischen Geräten fürs Krafttraining diverse Polster für Halt sorgen, werden viele Übungen beim funktionellen Training frei ausgeführt. Denn auch im normalen Leben außerhalb des Fitnessstudios gibt es in der Regel keine Führungsschienen und Polster, die unsere Bewegungsabläufe stabilisieren. Das macht funktionelle Übungen anfangs deutlich schwieriger. Letztendlich werden so aber bei jeder Trainingseinheit auch die stabilisierenden kleinen und tiefliegenden Muskeln an den Gelenken mittrainiert. Genauso wie auch die Rumpfmuskulatur, die essentiell für eine gute Körperhaltung und die korrekte Ausführung vieler Übungen ist. Die Rumpfmuskulatur sollte an dieser Stelle noch einmal betont werden, denn kräftigende Übungen für den Bauch und Rücken gehören zu fast jeder funktionellen Trainingseinheit.

Gleichgewicht und Koordination

Funktionelles Training zeichnet sich außerdem auch durch die Verbesserung der Balance und intermuskulären Koordination aus. Zum einen bedingen komplexe Bewegungsmuster das Zusammenspiel verschiedenster Muskeln. Um hierbei die Leistung zu steigern, müssen die Muskeln immer besser kommunizieren und gemeinsam arbeiten, damit die Kraft optimal übertragen werden kann. Zum anderen kräftigen Bewegungen im freien Raum, aber auch auf unebenen Untergründen die stabilisierenden Muskeln an den Gelenken. Die Schulung von Gleichgewicht und Koordination verringert die Verletzungsgefahr von Bändern und Sehnen. Im Alter kann das Sturzrisiko hierdurch deutlich reduziert werden.

Zweiter Teil

Sei gespannt auf Teil 2, in dem es um Übungen und Trainingsgeräte geht.