Funktionelles Training – Was ist das eigentlich? (Teil 1)

Funktionelles Training erfährt zurzeit einen regelrechten Boom und krempelt die Fitness-Branche gehörig um. Jeder hat vermutlich schon von Crossfit, Freeletics und Calisthenics gehört. Im Endeffekt geht es vor allem darum, ganzheitlich und funktional zu trainieren, meist sogar nur mit dem eigenen Körpergewicht.

 

Schluss mit monotoner Gerätearbeit, bei der manche Fitnessstudiobesucher aussehen als würden sie Wäsche zusammenlegen. Für drei Sätze machen sie es sich in der Beinpresse bequem und wechseln nach der 45. Wiederholung gelangweilt das Gerät. Wen wundert es da, dass einfach kein Spaß beim Sport aufkommt?

Was genau ist funktionelles Training?

Das Grundprinzip des funktionellen Trainings lautet: Bewegungen, nicht Muskeln trainieren. Für die isolierte Beanspruchung einzelner Muskeln ist nicht-funktional, das heißt es gibt hierfür weder im normalen Alltag noch in Sportarten eine Entsprechung. Sehr gute Beispiele dafür sind der Bizeps-Curl oder auch das Training des Beinstreckers an Geräten im Fitnessstudio. Wir werden höchstwahrscheinlich äußerst selten in realen Leben in die Gelegenheit kommen, eine dieser beiden Muskeln isoliert benutzen zu müssen. Unser Körper funktioniert nicht in Muskeln, sondern in Bewegungen.

 

Damit stehen beim funktionellen Training vor allem Grundbewegungen und die Verbesserung von sportartenübergreifenden Basisfähigkeiten im Vordergrund. Das schließt auch Fähigkeiten wie die Stabilisation von Gelenken, Schnelligkeit oder eine gute Körperwahrnehmung ein.

 

Wesentlich ist aber auch die qualitativ gute Ausführung von Bewegungen und zwar aus zwei Gründen. Zum einen führen unsauber ausgeführte Übungen meist zu Ausgleichbewegungen, die auf Dauer zu Haltungsschäden, Dysbalancen und Abnutzungserscheinungen führen können. Zum anderen führt die unsaubere Ausführung von Übungen meist auch dazu, dass wir die Übung nicht in ihrem ganzen Umfang ausführen. Dadurch entgehen uns wichtige Trainingseffekte. Wir könnten also eigentlich viel effizienter trainieren.

Training von Muskelketten – Bewegungen statt Muskeln

Funktionelles Training basiert auf der natürlichen Tatsache, dass für fast alle Bewegungen des Körpers das Zusammenspiel verschiedenster Muskelgruppen notwendig ist. Daher werden beim funktionellen Training vor allem Übungen ausgeführt, die möglichst viele Gelenke und Muskeln ansprechen. In vielen Fitnessstudios ist es üblich, Muskelgruppen isoliert zu trainieren. Anders beim funktionellen Training: hier wird immer auch das komplexe Zusammenspiel der Muskeln gefördert. Das verbessert vor allem auch die Koordination der Muskeln und entspricht deutlich besser den natürlichen Bewegungen des Menschen im Alltag und in vielen Sportarten.

Stabilität

Während an klassischen Geräten fürs Krafttraining diverse Polster für Halt sorgen, werden viele Übungen beim funktionellen Training frei ausgeführt. Denn auch im normalen Leben außerhalb des Fitnessstudios gibt es in der Regel keine Führungsschienen und Polster, die unsere Bewegungsabläufe stabilisieren. Das macht funktionelle Übungen anfangs deutlich schwieriger. Letztendlich werden so aber bei jeder Trainingseinheit auch die stabilisierenden kleinen und tiefliegenden Muskeln an den Gelenken mittrainiert. Genauso wie auch die Rumpfmuskulatur, die essentiell für eine gute Körperhaltung und die korrekte Ausführung vieler Übungen ist. Die Rumpfmuskulatur sollte an dieser Stelle noch einmal betont werden, denn kräftigende Übungen für den Bauch und Rücken gehören zu fast jeder funktionellen Trainingseinheit.

Gleichgewicht und Koordination

Funktionelles Training zeichnet sich außerdem auch durch die Verbesserung der Balance und intermuskulären Koordination aus. Zum einen bedingen komplexe Bewegungsmuster das Zusammenspiel verschiedenster Muskeln. Um hierbei die Leistung zu steigern, müssen die Muskeln immer besser kommunizieren und gemeinsam arbeiten, damit die Kraft optimal übertragen werden kann. Zum anderen kräftigen Bewegungen im freien Raum, aber auch auf unebenen Untergründen die stabilisierenden Muskeln an den Gelenken. Die Schulung von Gleichgewicht und Koordination verringert die Verletzungsgefahr von Bändern und Sehnen. Im Alter kann das Sturzrisiko hierdurch deutlich reduziert werden.

Zweiter Teil

Sei gespannt auf Teil 2, in dem es um Übungen und Trainingsgeräte geht.

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