Wie genau sind Fitness-Tracker?

Gehörst du eigentlich auch zu den Leuten, die kaum noch ohne Fitness-Tracker ums Handgelenk aus dem Haus gehen? Bisher hat mich dieser Trend noch nicht erwischt. Dennoch war ich schon das ein oder Mal versucht, mir auch so ein kleines Gerät zuzulegen. Viele dieser tragbaren Aktivitätsmesser können neben unserem Bewegungsverhalten auch die Herzfrequenz und die verbrauchten Kalorien bestimmen. Aber kann man sich auf diese Daten eigentlich wirklich verlassen? Antwort auf diese Frage findest du in meinem aktuellen Blogbeitrag.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Für Verbraucher ist es relativ schwierig zu wissen, wie genau solche tragbaren Fitness-Tracker eigene Körperwerte wie die Herzfrequenz oder auch den Energieverbrauch messen. Zwar kann man mit etwas Menschenverstand sagen, ob ein Wert völlig abwegig ist, genau weiß man es aber nicht. Auch Informationen darüber, wie Hersteller ihre Produkte überhaupt getestet haben, werden oftmals nicht kommuniziert.

Egal ob zum Abnehmen, zur Vorbereitung auf einen Marathon oder einfach nur um ausreichend aktiv zu sein: Mit dem Ziel, ihre Gesundheit zu verbessern, nutzen Millionen von Menschen heutzutage Fitness-Tracker. Dabei verlassen sich die meisten auf die Zahlen, die das kleine Gerät ausspuckt. Ist der Puls noch im Soll-Bereich? Habe ich heute schon genug Kalorien verbrannt, um auch wirklich abzunehmen? Genau deswegen ist es umso wichtiger, dass das, was auf dem Display steht, auch tatsächlich stimmt.

Wissenschaftler knöpfen sich Apple Watch und Co. vor

Wissenschaftler der Standford University untersuchten in einer kürzlich veröffentlichten Studie sieben verschiedene Aktivitäts-Tracker, die man am Handgelenk trägt. Dabei wollten sie herausfinden, wie genau diese die Herzfrequenz und den Kalorienverbrauch messen. Die Forscher untersuchten die folgenden Geräte:  Apple Watch, Basis Peak, Fitbit Surge, Microsoft Band, Mio Alpha 2, PulseOn und Samsung Gear S2.

Insgesamt nahmen 60 Freiwillige an der Studie teil. Sie trugen jedes dieser Geräte während sie auf einem Laufband gingen oder rannten und auf einem Fahrrad-Ergometer trainierten. Zusätzlich wurde immer auch mit medizinischen und geprüften Messinstrumenten die Herzfrequenz und der Kalorienverbrauch bestimmt.

Einer der verantwortlichen Wissenschaftler sagte in einem Interview: „Die Messung der Herzrate war deutlich besser als wir erwarteten, aber die Messungen des Energieverbrauchs lagen ziemlich daneben. Die Höhe der Fehlangaben überraschte mich.“

Beim Kalorienverbrauch besser nicht auf die Fitness-Tracker verlassen

Bei sechs der getesteten sieben Geräte war die Messung der Herzfrequenz ziemlich genau. Der Fehler lag bei unter 5% Abweichung vom richtig gemessenen Wert. Beim Kalorienverbrauch sah es allerdings nicht so gut aus. Bei keinem der getesteten Geräte lag die Fehlerquote bei unter 20%. Das heißt, die ermittelten Werte lagen immer mindesten 20% daneben. Manche Geräte lagen sogar fast um 100% daneben. Was bedeutet das konkret? Wenn jemand tatsächlich nur 200 Kalorien bei einer Aktivität verbrannt hat, zeigte das Gerät einfach 400 Kalorien an. Effektiv abnehmen lässt sich damit nicht. Insgesamt war die Apple Watch nach den Ergebnissen dieser Studie am genausten. Der Fitness-Tracker Samsung Gear S2 lag mit seinen Angaben hingegen am meisten daneben.

Warum die Ergebnisse für den Kalorienverbrauch so schlecht waren, konnten sich die Wissenschaftler auch nicht genau erklären. Generell ist es natürlich so, dass die Herzfrequenz direkt durch kleine Sensoren in den Geräten gemessen wird.  Das heißt, hier kann es lediglich zu ein paar Messungenauigkeiten kommen, aber viel schiefgehen kann eigentlich nicht.

Der Energieverbrauch hingegen wird über Formeln nur indirekt bestimmt. Man sagt dem Gerät vorher also, wie schwer und groß man ist. Außerdem erhält es Angaben zur Art der Aktivität und nutzt im besten Fall auch die Daten der Pulsmessung. Aus diesen Werten wird dann mit Hilfe von Formeln der Energieverbrauch berechnet. Diese Formeln wurden allerdings aus statistischen Mittelwerten abgeleitet und können im Einzelfall entsprechend stark variieren.

 

Auf den Punkt

Fitness-Tracker können ein gutes Hilfsmittel sein, wenn man seine täglichen Aktivitäten etwas objektiver und in konkreten Zahlen verfolgen möchte. Allzu ernst solltet ihr die Angaben zum Kalorienverbrauch jedoch nicht nehmen, da heutige Fitness-Tracker in dem Bereich noch recht ungenau sind. Am zuverlässigsten zeigen sie die Herzfrequenz an; dem Kalorienverbrauch sollte man jedoch nicht trauen.

Fitness-Tracker sind eine gute Orientierung, mehr aber noch nicht. Verlasst euch also lieber auf euer Gefühl und übliche Mittel wie Ernährungstagebuch, Körpermaße und Spiegel. Und im Zweifelsfall: Eine Runde mehr laufen!

 

Quellen

http://med.stanford.edu/news/all-news/2017/05/fitness-trackers-accurately-measure-heart-rate-but-not-calories-burned.html

Shcherbina, A., Mattsson, C. M., Waggott, D., Salisbury, H., Christle, J. W., Hastie, T., Wheeler, M. T., Ashley, E. A. (2017) Accuracy in Wrist-Worn, Sensor-Based Measurements of Heart Rate and Energy Expenditure in a Diverse Cohort. Journal of Personalized Medicine, 7(2), 3.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>